FAQ - Häufig gestellte Fragen

1. Wer sind wir ? 

Die Dokumentationsstelle für Muslime in Österreich wurde am 10. Dezember 2014, am internationalen Tag der Menschenrechte, gegründet. Aufgrund von Bekanntwerden steigender islamfeindlicher Übergriffe, die wir beispielsweise selbst aus dem unmittelbaren Umfeld oder aus den Medien erfuhren, war die Errichtung einer Dokumentationsstelle bereits im Herbst 2014 in Planung. Erstmals sollten islamfeindlich motivierte Vorfälle dokumentiert werden.

2. Was machen wir? 

Seit Dezember 2014 dokumentieren wir sowohl antimuslimisch rassistische, als auch positive Ereignisse. Wir leiten die Personen, die z.B. Diskriminierung erlebt haben, beratend an weitere Stellen weiter.

3. Was für Fälle meldet man bei der Dokustelle?

Die Dokumentationsstelle für Muslime in Österreich dokumentiert unterschiedliche Arten von islamfeindlichen Delikten. Wir unterscheiden in unserer Arbeit zwischen hate crime/Vorurteilsverbrechen, hate speech/Verhetzung, Diskriminierung, verbalem Angriff, Beschmierung öffentlicher und halböffentlicher Plätze und die an Islamfeindlichkeit bekämpfende und muslimischen Institutionen gerichtete Islamfeindlichkeit.

4. Wie kann man uns erreichen?

Unser Team von der Dokumentationsstelle für Muslime in Österreich ist auf zwei unterschiedlichen Wegen erreichbar: einerseits kann man uns schriftlich erreichen wie per:
E-Mail: office@dokustelle.at
Online-Formular: www.dokustelle.at
Soziale Medien: @dokustelle
Tel: 0676 4040 005.

5. Warum muss man persönliche Angaben ausfüllen?

Damit wir die Ereignisse wahrheitsgetreu und korrekt aufzeichnen können. Für eventuelle Rückfragen sind Kontaktinformationen sehr wichtig, da wir im Nachhinein Rücksprache halten und die Fälle bei Bedarf weiterleiten oder weiterverfolgen.

6. Ist die Dokumentierung anonym?

Für die Seriosität und Nachvollziehbarkeit der Ereignisse dokumentieren wir alle wichtigen Angaben, jedoch bleiben diese anonym und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

7. Was mache ich, wenn ich mir unsicher bin (Fall bezogen)?

Für die Seriosität und Nachvollziehbarkeit der Ereignisse dokumentieren wir alle wichtigen Angaben, jedoch bleiben diese anonym und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

8. Was bieten wir unseren Klientinnen an?

Ruft uns eine Person an, die unmittelbar Opfer einer islamfeindlichen Handlung geworden ist, so können wir dem/der Betroffenen Beistand leisten und diesem/r bei weiteren Schritten behilflich sein. Die seelsorgerische Aufarbeitung eines Gesprächs stärkt den/die Betroffenen und gibt ihm/ihr das Gefühl nicht alleine zu sein. Aus diesem Grund geht es zunächst um die Erstaussprache zum Vorfall und in Folge um die Beratung. Kontaktiert uns eine Person telefonisch oder schriftlich und hat diese Person konkrete Fragen bezüglich einer Situation, so geben wir der Person praktische Tipps. Ist es notwendig, so vermitteln wir sie weiter an etablierte fachgerechte staatlichen und nicht-staatlichen Einrichtungen und Stellen.
 

Neben dem Aufzeichnen von Fällen bieten wir Workshops zu Themen wie Rassismus und anti-muslimischer Rassismus, Hate-Crime und Empowerment an und besuchen auf Anfrage Vereine und Institutionen.

9. Was ist der Unterschied zwischen Islamophobie und Islamfeindlichkeit?

Ruft uns eine Person an, die unmittelbar Opfer einer islamfeindlichen Handlung geworden ist, so können wir dem/der Betroffenen Beistand leisten und diesem/r bei weiteren Schritten behilflich sein. Die seelsorgerische Aufarbeitung eines Gesprächs stärkt den/die Betroffenen und gibt ihm/ihr das Gefühl nicht alleine zu sein. Aus diesem Grund geht es zunächst um die Erstaussprache zum Vorfall und in Folge um die Beratung. Kontaktiert uns eine Person telefonisch oder schriftlich und hat diese Person konkrete Fragen bezüglich einer Situation, so geben wir der Person praktische Tipps. Ist es notwendig, so vermitteln wir sie weiter an etablierte fachgerechte staatlichen und nicht-staatlichen Einrichtungen und Stellen.
 

Neben dem Aufzeichnen von Fällen bieten wir Workshops zu Themen wie Rassismus und anti-muslimischer Rassismus, Hate-Crime und Empowerment an und besuchen auf Anfrage Vereine und Institutionen.

10. Welche verschiedenen Arten von Islamfeindlichkeit gibt es? Die Islamfeindlichkeit ist ein multidimensionaler und vielschichtiger Begriff. Zur Islamfeindlichkeit gehören u.a. 

1. hate crime/Hassverbrechen an Eigentum/Besitz

2. hate crime/Hassverbrechen an Personen

3. hate speech/Verhetzung in der Öffentlichkeit bzw. im Internet

4. Diskriminierung am Arbeitsplatz, Schule etc.

5. verbaler Angriff auf Personen

6. Beschmierung (halböffentlicher) Plätze

7. Die an Islamfeindlichkeit bekämpfende und muslimischen Institutionen gerichtete Islamfeindlichkeit.

 

Achtung! Ein islamfeindlicher Angriff muss nicht unbedingt eine Person mit muslimischer Identität treffen, sondern einen x-beliebigen Menschen, der/die von der/vom Täter als „muslimisch“ wahrgenommen wird.

11. Was bedeutet Hate Speech?

Hate speech/Verhetzung wird bei der OSZE definiert mit „Äußerungen […], die zu Hass anstiften oder für manche Gruppen verletzend sind. Andere verbreitete Verbote betreffen Äußerungen, die die ‚Ehre‘ oder ‚Würde‘ einer Person oder einer Nation verunglimpfen.“2 Verhetzungsgesetze variieren vom Land zu Land. Im österreichischen Strafgesetz muss die Verhetzung in einem öffentlichen Raum begangen werden bzw. einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein, um es als solches kategorisieren zu können. Im Jahre 1997 wurde eine Empfehlung R (97) 20 vom Ministerkomitee des Europarates über die Hassrede verabschiedet. Darin wird Hate Speech wie folgt definiert: „Jegliche Ausdrucksformen, welche Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder andere Formen von Hass, die auf Intoleranz gründen, propagieren, dazu anstiften, sie fördern oder rechtfertigen, einschließlich der Intoleranz, die sich in Form eines aggressiven Nationalismus und Ethnozentrismus, einer Diskriminierung und Feindseligkeit gegenüber Minderheiten, Einwanderern und der Einwanderung entstammenden Personen ausdrückt.“

12. Was bedeutet Diskriminierung?

Der Begriff „Diskriminierung und Intoleranz gegenüber Muslimen“ benennt diskriminierende Einstellungen und Verhaltensweisen gegen Einzelpersonen, Gruppen oder Eigenschaften, die als muslimisch wahrgenommen oder mit muslimischen Menschen oder dem Islam in Verbindung gebracht werden. Die Stadt Wien definiert auf ihrer Homepage die „Diskriminierung“ wie gefolgt: „Diskriminierung ist jede Form der ungerechtfertigten Benachteiligung oder Ungleichbehandlung von einzelnen Personen oder Gruppen aufgrund verschiedener wahrnehmbarer (zum Beispiel Alter, ethnische Zugehörigkeit oder Behinderung) beziehungsweise nicht unmittelbar wahrnehmbarer (zum Beispiel Weltanschauung, Religion oder sexuelle Orientierung) Merkmale“. Hierzu zählen vor allem die Arbeitswelt, der Zugang zu Gütern wie z.B. Wohnungen, gehinderte Zugänge zu Geschäften und weiteren Dienstleistungen etc.

13. Warum ist die Dokumentierung islamfeindlicher Erlebnisse so wichtig?

Alltagrassismen werden oft als ‚normal‘ angesehen, die sich in Form von Intoleranz, Diskriminierung oder Angriffe zeigen können. Die ‚Normalisierung‘ kann in weiterer Folge zu strafrechtlichen Delikten führen oder ein gesamtgesellschaftliches Problem verursachen. Anti-muslimischer Rassismus und Islamfeindlichkeit verhindert das friedliche Zusammenleben einer vielfältigen Gesellschaft und verursacht Probleme beim aufeinander Zuzugehen. Deshalb ist es wichtig, die Erlebnisse aufzuzeigen und dementsprechend Präventiv gegen diese zu arbeiten.

14. Warum dokumentieren wir auch die Zivilcourage?

In unserer Arbeit dokumentieren wir auch die Zivilcourage. Diese Kategorie ist für uns besonders gewichtig, da die Zivilcourage einen wichtigen Beitrag dazu leistet, dass sich die Gesellschaft aufgrund von rassistischen, in unserem speziellen Arbeitsbereich islamfeindlichen, Ereignissen nicht spaltet. Die Zivilcourage ist ein wichtiges Statement sowohl für die Betroffenen als auch für die Täterschaft – das Parteigreifen für das Betroffene kann eine Enttäuschung verhindern und den TäterInnen die Grenzen in unserer Gesellschaft zeigen. In mehr als 1/3 der Fälle sind Außenstehende eingeschritten. In einem Fall haben sich die ganzen MitarbeiterInnen gegen den einen Mitarbeiter gestellt, der über längere Zeit versuchte auf der Arbeitsstelle den Islam und die Muslime zu schmähen.

15. Was machen wir mit den Dokumentierungen?

Die dokumentierten Fälle ermöglichen uns eine Statistik über anti-muslimischen Rassismus und Islamfeindlichkeit in Österreich zu machen. Diese werden dann jährlich unter dem Namen „anti-muslimischer Rassismus Report JJJJ“ im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert.

16. Was ist die OSCE und ODIHR?

Die OSCE - Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa – ist die weltweit größte Sicherheitsorganisation und hat verschiedene Aufgabenbereiche. Wie man aus dem Namen ablesen kann, strebt sie nach Sicherheit auf der Welt, damit Menschen in Frieden leben können.5Die ODIHR – Office for democratic and human rights - ist die Menschenrechtsinstitutionen der OSZE und hat ihren Sitz in Warschau. „Das ODIHR ist damit beauftragt, Regierungen dabei zu unterstützen, ihre Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte und der Demokratie umzusetzen. Zu diesem Zweck beobachtet das ODIHR im gesamten OSZE-Gebiet Wahlen, beobachtet und fördert die Achtung von Menschenrechten und führt Projekte zur Unterstützung von Demokratisierungsprozessen durch.“

17. Warum weichen die Statistiken über Islamfeindliche Fälle in Österreich voneinander ab?

In erster Linie geht es darum, wie man die Vorfälle einstuft. Um einen Fall als islamfeindlich laut Definition einzuordnen einzustufen bedarf es eines Richtmaßes. Dieser Hilft uns bei der richtigen Einordnung der Fälle / ist vor allem behilflich ist, die Fälle richtig einzuordnen. Wir als Dokumentationsstelle für Muslime richten uns an die Richtlinien der OSCE und unterscheiden die Fälle spezifischer, die man im Punkt 3 nachlesen kann.

18. Sollte ich einen Fall sowohl bei der Polizei als auch bei der Dokustelle melden?

Da beide Institutionen voneinander unabhängig arbeiten und ihre eigene Statistik aufzeichnen, ist es wichtig, die Fälle bei allen Institutionen zu melden. Die Funktion einer Polizei unterscheidet sich in ihrer Arbeit zur Dokumentationsstelle für Muslime, da die Polizei eine staatliche Einrichtung und diese strafrechtlich verfolgen kann. Die Dokumentationsstelle für Muslime arbeitet wie bei Punkt 1 und 2 erwähnt als NGO und der Fokus liegt im spezifischen auf anti-muslimischen Rassismus und Islamfeindlichkeit. Man sollte jedoch festhalten, dass nicht alle Vorfälle, besonders verbale Angriffe eine Angelegenheit der Polizei ist, da diese unter Zivilrecht fallen und man diese beim Bezirksgericht einreichen kann.

19. Werden die Daten an die Polizei weitergegeben?

Die Dokumentationsstelle für Muslime in Österreich gibt die Informationen nicht an die Polizei weiter. Jedoch raten wir den Betroffenen die Fälle der Polizei zu melden, da wir getrennte Statistiken machen.

20. Welche Gesetzte gibt es, die meine Religionsfreiheit schützen?

Staatsgrundgesetz als Bestandteil der Bundesverfassung Artikel 14

Die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit ist jedermann gewährleistet. Der Genuss der bürgerlichen und politischen Rechte ist von dem Religionsbekenntnisse unabhängig; doch darf den staatsbürgerlichen Pflichten durch das Religionsbekenntnis kein Abbruch geschehen.

Artikel 15. Jede gesetzlich anerkannte Kirche und Religionsgesellschaft hat das Recht der gemeinsamen öffentlichen Religionsübung, ordnet und verwaltet ihre inneren Angelegenheiten selbständig, bleibt im Besitze und Genuss ihrer für Kultus-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke bestimmten Anstalten, Stiftungen und Fonds, ist aber, wie jede Gesellschaft, den allgemeinen Staatsgesetzen unterworfen.

 

 

Vertrag von St. Germain Artikel 63

Österreich verpflichtet sich, allen Einwohnern Österreichs ohne Unterschied der Geburt, Staatsangehörigkeit, Sprache, Rasse oder Religion vollen und ganzen Schutz von Leben und Freiheit zu gewähren.

Alle Einwohner Österreichs haben das Recht, öffentlich oder privat jede Art Glauben, Religion oder Bekenntnis frei zu üben, sofern deren Übung nicht mit der öffentlichen Ordnung oder mit den guten Sitten unvereinbar ist.

 

Europäische Menschenrechtskonvention Artikel 9: Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit

(1) Jedermann hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit des Einzelnen zum Wechsel der Religion oder der Weltanschauung sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen öffentlich oder privat, durch Gottesdienst, Unterricht, durch Ausübung und Betrachtung religiöser Gebräuche auszuüben.

(2) Die Religions- und Bekenntnisfreiheit darf nicht Gegenstand anderer als vom Gesetz vorgesehener Beschränkungen sein, die in einer demokratischen Gesellschaft notwendige Maßnahmen im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der öffentlichen Ordnung, Gesundheit und Moral oder für den Schutz der Rechte und Freiheiten anderer sind.

 

 

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Artikel 18

Jeder Mensch hat den Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst, und Vollziehung von Riten zu bekunden.

21. Warum unterstützt die Dokumentationsstelle für Muslime besonders die Frauen?

Aus dem Bericht „Anti-Muslimischer-Rassismus Report 2015“ geht hervor, dass bei den gemeldeten Fällen 95% der Betroffenen Musliminnen waren. Das heißt, dass Diskriminierungen, verbale oder islamfeindliche (körperliche) Angriffe in erster Linie an Frauen gerichtet sind, weshalb hier auch Intersektionalität erkennbar ist. Deshalb ist es für uns wichtig, besonders Frauen zu stärken und ihr Selbstbewusstsein aufzubauen.

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